Spitzenklasse
Thomas Schacher ⋅ Kammermusik der Spitzenklasse – nichts Geringeres als das bieten die Swiss Chamber Concerts seit Jahren. Auch das jüngste Konzert in der Kirche St. Peter bestätigte den Ruf des Ensembles. Unter dem Saisonmotto «Zeitzeugen» erklangen die Uraufführung eines Genfer Komponisten, eine Rarität aus dem frühen 20. Jahrhundert und zwei ganz unterschiedlich geartete Werke von Maurice Ravel.
Die grösste Besetzung verlangt Ravels Septett «Introduction et Allegro» von 1905. Die Harfe (Sarah O'Brien) bildet hier kompositorisch die Mitte, um die sich die Bläsergruppe (Felix Renggli, Flöte, Mark Reding, Klarinette) und die Streichergruppe (Esther Hoppe und Natalia Lomeiko, Violinen, Jürg Dähler, Bratsche, Daniel Haefliger, Violoncello) placieren. Das Werk erfordert Brillanz und Klangsensibilität der Ausführung. All dies realisierte das Ensemble auf das Schönste. Bei Ravels Streichquartett in F-Dur stellte sich die Herausforderung anders, nämlich als grösstmögliche Differenzierung innerhalb des Streicherklangs. Einen französischen Tonfall weist auch das Quintett für Harfe, Flöte und Streichtrio von Jean Cras auf, das die Wiederentdeckung lohnte, vor allem, weil es so sprühend dargeboten wurde.
Xavier Dayer nennt seine Komposition für Flöte und Streichquartett, die im Auftrag der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia entstanden ist, «De Umbris». In diesem Werk überträgt er ein optisches Phänomen ins Akustische. So wie eine Lichtquelle ihren Schatten wirft, so erzeugt ein musikalisches Thema des einen Instruments ein schattenhaftes Abbild in einem anderen. Die klingende Wiedergabe von «De Umbris» offenbarte, dass die Beziehungen noch einiges komplexer sind: Wohl ist die Flöte meistens als die Lichtquelle auszumachen, deren Motive von den Streichinstrumenten aufgenommen und gedämpft werden. Aber manchmal kehren sich die Abhängigkeiten auch um, und plötzlich geht beispielsweise die Flöte mit dem Cello eine Koalition ein. Spannend ist es, solche Prozesse mitzuerleben.
Zürich, St. Peter, 10. März.




